Maritim
Lust auf mehr und Meer

Maritime Wirtschaft ist so viel mehr als Schiffsbau: Meerestechnik, Seeschifffahrt, Hafenwirtschaft und Zulieferindustrie bieten vielfältige Ausbildungsmöglichkeiten. Handwerkliche Begabung und Lust auf Meer sind ideale Voraussetzungen für eine Karriere im Norden.

Ein Beispiel: Morgens um 6.30 Uhr ist Azubi Mathias längst auf der Fassmer Werft in Berne. Auf tausenden Quadratmetern Werksfläche beginnt der Arbeitstag des Verfahrensmechanikers für Kunststoff- und Kautschuktechnik schon früh. Was andere kaum aussprechen können, ist für Mathias besonders interessant. „Man braucht ein ausgeprägtes räumliches Denkvermögen“, weiß der Azubi, der oft mit detaillierten Plänen arbeitet. Konstruktion oder Maschinenbau – jeden Tag lerne er etwas Neues.

Besonders begeistert ist er von seiner Fachrichtung Faserverbundtechnik. Aus polymeren Werkstoffen wie Fieberglas und Kohlefasern stellt er Kunststoffe mit hoher Festigkeit her – das A und O beim Bau von Booten und für die Windkraft- und Automobilindustrie. Zusätzlich können Azubis überbetriebliche Einblicke gewinnen, indem sie vier Wochen in einem anderen Unternehmen arbeiten.

Sich in so vielen Bereichen ausprobieren zu können, ist für Mathias besonders wichtig – kein Wunder also, dass er nach seiner Ausbildung bei Fassmer bleiben möchte.

2.100 € brutto verdient ein Verfahrensmechaniker für Kunststoff- und Kautschuktechnik durchschnittlich

Interview

Harald Stindt

Ausbildungskoordinator beim Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) Wilhelmshaven

Frage: Wie führen Sie im WSA junge Menschen an Ihre beruflichen Aufgaben heran?

Stindt: Die aktuell 56 Auszubildenden – darunter Schiffs-, Industrie- und Konstruktionsmechaniker, Mechatroniker und Wasserbauer – werden eng begleitet. Die Ausbildung verbindet stets die Theorie mit der praktischen Anwendung. Zusätzlich werden die Auszubildenden darin gefördert, selbstständig zu arbeiten. Ihre Projekte und -ergebnisse fließen regelmäßig in unsere alltäglichen Aufgabenstellungen ein.

Frage: Was ist das Besondere daran, sich bei einem Amt ausbilden zu lassen?

Stindt: Unsere Aufgaben beim WSA bieten ein breites Spektrum, sodass Auszubildende auch immer einen sehr guten Gesamtüberblick bekommen. Alle Ausbildungsbereiche werden von mindestens einem Ausbilder durchgängig betreut, die Förderung ist dadurch sehr individuell. 

Frage: Wie stehen die Chancen, nach der Ausbildung im WSA übernommen zu werden? Welche Möglichkeiten bieten sich ansonsten?

Stindt: Aktuell können alle Auszubildenden für mindestens ein Jahr übernommen werden. In manchen Fällen gelingt danach eine Übernahme in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis. Wir bedienen durch unsere Ausbildung teilweise auch die Nachfrage anderer Wasserstraßen- und Schifffahrtsämter. Aber auch in der maritimen Wirtschaft sind unsere Auszubildenden gefragt, von denen einige weiterführende Bildungsmaßnahmen anstreben.

Beispielberufe

Ahoi! Richtig: Schiffsmechaniker/-innen arbeiten auf hoher See. Sie beaufsichtigen die technischen Anlagen an Bord eines Schiffes, bedienen, reparieren und warten die Maschinen und führen Instandhaltungsarbeiten an Deck durch. Die Bedienung der Ladeeinrichtungen sowie der Einrichtungen zum Losmachen und Festmachen des Schiffes fallen ebenfalls in ihren Zuständigkeitsbereich.

Ein solcher Beruf auf See steht jungen Frauen und Männern mit Hauptschulabschluss offen. Ohne eine vom Arzt attestierte uneingeschränkte Seediensttauglichkeit, ein umfassendes technisches Verständnis und gute Englischkenntnisse geht es allerdings nicht.

Ein Studium an Fachschulen oder Fachhochschulen ist ein wichtiger Grundstein für eine Laufbahn als Nautischer oder Technischer Offizier.

3 Jahre

Naturnähe: Arbeit mit und im Element Wasser – kein klassischer Bürojob; Verantwortung: Erkennen von und Umgang mit möglichen Gefahren; Fachwissen über Wasserstraßen, Dammbau und Küstenschutz; Abwechslung: Einsatz an unterschiedlichen Orten

Faszination für Wasser und Natur; gute Mathematik-, Physik- und Chemiekenntnisse; Vorlage eines Gesundheits- und Schwimmzeugnisses; Bereitschaft zur Arbeit bei Wind und Wetter sowie vorwiegend in der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung oder in Wasserverbänden

Nach erfolgreich abgelegter Prüfung als Wasserbauer ist nach mehrjähriger Berufserfahrung der Aufstieg zum Vorhandwerker bzw. die Möglichkeit zur Weiterbildung zum Wasserbaumeister möglich. Daneben bestehen weitere Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten.

3 Jahre

Zahlen und Fakten

Etwa 74.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind in den Häfen Niedersachsens beschäftigt.

Um 12 Prozent haben die niedersächsischen Seehäfen 2015 beim Umschlag zugelegt.

Der JadeWeserPort in Wilhelmshaven hat eine Umschlagkapazität von jährlich 2,7 Mio. Containern.