Luftfahrt
Ein Job mit Höhenflügen

Den Traum vom Fliegen haben viele, doch muss ihn erst einmal jemand möglich und vor allem sicher machen. Genau das tun Fluggerätmechaniker im Fachbereich Instandhaltung.

Ein Leben ohne Flugzeuge kennt Azubi Johannes gar nicht: Schon als kleines Kind durfte er mit seinem Großvater Wilhelm Tank in die Lüfte steigen. Klar, dass er seinem Opa nacheifert und Fluggerätmechaniker werden will. Denn er gründete 1976 das Unternehmen Wilhelm Tank GmbH. Heute wird es von Johannes‘ Vater und dessen Brüdern geführt.

In drei Jahren Lehre inklusive Berufsschule lässt sich Johannes ausbilden. Und bereits zu Beginn tragen er und die anderen beiden Azubis eine große Verantwortung. Jede Maschine muss regelmäßig zur Wartung.

In der großen Werkstatthallte wird sie von Propeller über den Motor bis zu den Reifen überprüft. Eine lange Liste, auf der jeder kleine Kontrollschritt und jedes Testergebnis eingetragen werden muss, begleitet den angehenden Mechaniker bei seiner Arbeit. „Die Listen sind zum großen Teil auf Englisch“, erzählt er.

Kenntnisse der Sprache sind also ein Muss. Auch in Mathe muss der Azubi fit sein: „In der Luftfahrt wird alles mit dem zölligen System gemessen. Zunächst wird also gelernt, wie metrische Zahlen dementsprechend umgerechnet werden.“

€ 2.200,- verdienen gelernte Fluggerätmechaniker durchschnittlich

Interview

Ralf Eilers

Frage: Herr Eilers, was genau sieht das Ausbildungskonzept des Zukunftszentrums Technologie und Ausbildung (ZTA) vor, das aus dem Ausbildungszentrum und dem Technologiezentrum Varel besteht?

Ralf Eilers: Grundsätzlich ist das ZTA dafür zuständig, Auszubildenden zum Mechatroniker, Industrie- oder Zerspanungsmechaniker im Auftrag von Ausbildungsunternehmen unter anderem aus der Luftfahrtindustrie praktische Kenntnisse zu vermitteln. Die berufsbildenden Schulen und der jeweilige Ausbildungsbetrieb übernehmen wiederum Theorie und Anwendung des Gelernten. Allerdings geht das Gebotene weit über die Anforderungen der Industrie- und Handelskammer hinaus. Themen wie die Förderung von Schlüsselqualifikationen, die sogenannte Lean-Philosophie – einer Strategie zur Unternehmensoptimierung – und ein kompaktes Gesundheitsmanagement wird man in unserer Region sonst nirgendwo finden. Außerdem legen wir besonderen Wert auf die Entwicklung von sozialen Kompetenzen.

Frage: Mit welchen Unternehmen arbeitet das ZTA zusammen?

Eilers: Über die Hälfte der Auszubildenden kommen von Premium AEROTEC, unter den anderen Firmen sind beispielsweise ThyssenKrupp Aerospace und die Deutsche Post AG Bremen und Oldenburg.

Frage: In einer Broschüre über das ZTA heißt es, es würde die „gesteigerten Marktanforderungen“ berücksichtigen. Was ist damit gemeint und wie wird das Zentrum dieser Haltung gerecht?

Eilers: Indem das ZTA speziell auf die Kundenanforderungen eingeht. Wir versuchen, uns immer ganz nah an den Bedarfen der Ausbildungsunternehmen zu bewegen, um neueste Entwicklung in der jeweiligen Branche mitzubekommen und entsprechend darauf zu reagieren. Ein wichtiger Aspekt ist derzeit, dass wir auch in der Ausbildung den Schritt in die Industrie 4.0, also die Digitalisierung von industriellen Prozessen mitmachen.

Beispielberufe

ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen bei der Arbeit mit Bauplänen; handwerkliches Geschick und solide Mathematikkenntnisse; sorgfältige Arbeitsweise bei der Montage wichtiger Teile oder der Wartung von Leichtflugzeugen

Verantwortung für die volle Funktionalität von Fluggeräten; Arbeit mit verschiedenen Baustoffen wie Faserverbundwerkstoffe, Leichtmetalle und Hölzer; Abwechslungsreichtum durch fortwährende technische Innovationen; Allround-Ausbildung und damit Möglichkeit der Anstellung in anderen Branchen

ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen bei der Arbeit mit Bauplänen; handwerkliches Geschick und solide Mathematikkenntnisse; sorgfältige Arbeitsweise bei der Montage wichtiger Teile oder der Wartung von Leichtflugzeugen

Aufstiegsweiterbildung bietet die Möglichkeit, beruflich voranzukommen und in Führungspositionen zu gelangen (z.B. durch die Prüfung als Industriemeister/in im Bereich Flugzeugbau und Luftfahrttechnik). Ein Studium eröffnet weitere Berufs- und Karrierechancen (z.B. durch einen Bachelorabschluss im Studienfach Luft- und Raumfahrttechnik oder Konstruktionstechnik). Unter bestimmten Voraussetzungen ist auch ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung ein Studium möglich

3,5 Jahre

abwechslungsreicher Arbeitsalltag durch Dynamik und Internationalität des Flughafens; Schulung im Konfliktmanagement; unterschiedliche Einsatzbereiche: Service, Fluggastabfertigung, Ticketverkauf, Gepäckermittlung und Flugzeugabfertigung

Kontaktfreude und Serviceorientierung; Stressresistenz und Konfliktfähigkeit; organisatorisches Talent; Sprachaffinität zu (Business-)Englisch und Spanisch; Spaß an Verwaltungsaufgaben wie das Erstellen von Dienstplänen und Rechnungen

Möchtest du deine Karriere weiter antreiben und Positionen auf mittlerer Führungsebene einnehmen, kannst du an verschiedenen Aufstiegsweiterbildungen teilnehmen.  So bieten sich beispielsweise die Weiterbildungen zum Tourismusfachwirt, Verkehrsfachwirt, oder Betriebswirt für Reiseverkehr besonders an.

2,5 bis 3 Jahre

Zahlen und Fakten

Insgesamt sind in Niedersachsen ca. 30.000 Menschen in der Luft- und Raumfahrtindustrie beschäftigt.

21.213 Luftfahrzeuge waren 2015 in Deutschland zugelassen.

Im Jahr 2015 starteten oder landeten insgesamt 193,9 Millionen Fluggäste auf deutschen Flughäfen.