Gesundheitswirtschaft
Wenn Menschen für Menschen da sind

Um offene Stellen müssen Gesundheits- und Krankenpfleger nicht bangen: Allein in Niedersachen blieben 2015 über 900 Stellen unbesetzt. Mehr als die guten Einstellungschancen zählt jedoch die persönliche Einstellung.

Denn hier steht der Mensch im Mittelpunkt – das weiß auch Alica. Die drei Ausbildungsjahre zur Gesundheits- und Krankenpflegerin absolviert sie in der Gesundheits- und Krankenpflegeschule (GKPS) am St. Johannes-Hospital. Doch neben der fachlichen Qualifikation ist vor allem Empathie gefragt. „Weil man mit den Patienten zum Teil sehr intim wird, muss man Vertrauen zu ihnen aufbauen“, so Alica. Während der Ausbildung sind im Allgemeinen 2.100 theoretische und 2.500 praktische Stunden abzuleisten – im GKPS liegen letztere sogar bei 3.000. Bereits zu Beginn der Ausbildung kommen die Azubis in Kontakt mit pflegebedürftigen Menschen in einem Altenwohn- oder Pflegezentrum. Auch in die Arbeit in Hospitälern, Fachkliniken etwa für Psychiatrie oder heilpädagogische Kindergärten wird Einblick gewährt. „Manchmal werde ich auch mit dem Tod konfrontiert oder mit anderen Situationen, die mir nahe gehen“, erzählt Alica Schöner. Doch das Interesse an Mensch und Medizin überwiegt, und sie fühlt sich in ihrer Wahl bestätigt: „Ich bekomme viel von den Patienten zurück.“

Bei bis zu € 2250,- liegt das Einstiegsgehalt eines Gesundheits- und Krankenpflegers

Interview

Daniel Schnitger

Frage: Sie bieten ein besonderes Teilzeit-Ausbildungsmodell in der Gesundheits- und Krankenpflege an. Welche Motivation steckt dahinter?

Schnitger: Wir begreifen (Aus-)Bildung als Chance für die Zukunft. Motivierten Frauen betreuungspflichtiger Kinder bleibt sie bisher vielerorts verwehrt. Wir haben Rahmenbedingungen geschaffen, die eine qualifizierte Ausbildung in Teilzeit zur Gesundheits- und Krankenpflegerin ermöglichen. Dieses Konzept hat überwältigenden Zuspruch gefunden.

Frage: Was können Sie Ihren Auszubildenden sonst noch Besonderes bieten?

Schnitger: Eine Ausbildung im Klinikum Wilhelmshaven ist interessant und vielseitig. Unser Klinikum bietet alle Fachabteilungen, die in der Ausbildung durchlaufen werden müssen und die Chance weitere Fachgebiete kennenzulernen. Speziell ist auch das Programm „Erasmus+“: Die Teilnahme an diesem EU Programm ermöglicht den Auszubildenden beispielsweise in Estland oder Irland internationale Berufserfahrungen zu erwerben.

Frage: Wie schätzen Sie den Bedarf an qualifizierten Pflegekräften ein und wie gestaltet sich dieser in Ihrem Krankenhausbetrieb?

Schnitger: Ich sehe einen stetig wachsenden Bedarf an qualifizierten und examinierten Pflegekräften, aber genauso an anderen Fachkräften. Dadurch ergeben sich krisensichere Jobmöglichkeiten für junge Menschen oder auch Quereinsteiger. Unsere erfolgreichen Absolventinnen und Absolventen haben sehr gute Chancen auf eine Anschlussbeschäftigung.

Beispielberufe

selbstständige Beratung der Patienten beim Thema Zahnpflege; spannende Arbeit im Team; Organisation aller Praxisabläufe; vielfältige Weiterbildungsmöglichkeiten, zum Beispiel zum/-r Dental Hygieniker/-in oder zum/-r Prophylaxeassitenten/-in.

Aufgeschlossenheit und Sensibilität bei der Betreuung und Behandlung von Patienten; Einhaltung der Hygienevorschriften; hohe Auffassungsgabe bei der Assistenz der Zahnärzte; Sorgfältigkeit der der Bereitlegung von zahnmedizinischen Instrumenten

Mit einer Aufstiegsfortbildung bist du schon ganz gut beraten: ‚Zahnmedizinische Prophylaxeassistentin ‘ (ZMP), ‚Dental Hygienikerin‘ oder ‚Zahnmedizinische Verwaltungsassistentin ‘ (ZMV) heißen sie zum Beispiel und befähigen dich zu einer Führungsposition im Praxismanagement oder ähnliches.

3 Jahre

jeden Tag etwas anderes: Abwechslungsreichtum, keine Routine, ständig neue Herausforderungen; lebenswichtige Maßnahmen bei der Erstversorgung; Bewältigung von Krisensituationen; Medizinisches Know-How erlernen.

Stressresistenz und eine hohe Auffassungsgabe; Bereitschaft im Schichtdienst und bei nächtlichen Einsätzen zu arbeiten; keine Angst vor Blut und vor dem Anblick teilweise schwerer Verletzungen; Einfühlsames Verhalten beim Versorgen der Notfallpatienten.

Du hast auch die Möglichkeit, deine Ausbildung mit einem Studium zu kombinieren. Dazu brauchst du natürlich den entsprechenden Schulabschluss. Oder du hängst ein Studium nach deiner Ausbildung dran, z.B. Rettungsdienstmanagement. Das befähigt dich für höhere Führungspositionen und bringt dir auch mehr Gehalt. Dafür wirst du aber eher organisatorisch arbeiten und nicht mehr im Rettungswagen sitzen

3 Jahre

Zahlen und Fakten

288 000 Menschen waren 2013 in Niedersachsen pflegebedürftig

Die Zahl der in Deutschland in der Altenpflege Beschäftigten ist auf rund 1 Mio.  gestiegen

196 Krankenhäuser gab es in Niedersachsen 2014